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Petra Oberkofler

„Ich wache nachts immer wieder auf. Meine persönlichen Gedanken zur Coronakrise“

Wir mussten bereits zum vierten Mal schließen. Es wird jedes Mal etwas schwieriger, Motivation und Kraft nehmen ab. Immer wieder zu- und wieder aufzumachen ist nicht so einfach, wie viele vielleicht meinen. Es ist vom Organisatorischen her schwierig, für die Mitarbeiter*innen, die im Lohnausgleich sind, keiner weiß genau, wann es weiter geht, wie lange es Arbeit gibt. Auch braucht ein Betrieb Zeit, um wieder zu starten, am Anfang tröpfelt es mit den Gästen, das muss sich erst einspielen, wir brauchen mindestens zwei bis drei Wochen, bis alles gut läuft. Jedes Mal, wenn es wieder anfängt Spaß zu machen, müssen wir wieder zumachen.  

 

Ich bin dennoch sehr zuversichtlich, vor allem, weil ich es sein muss. Familie, Mitarbeiter*innen brauchen Zuspruch, viele Gäste sind besorgt. Ohne Zuversicht geht’s nicht, es muss weitergehen. Mir passiert aber, dass ich nachts immer wieder mal aufwache und mir denke: Ist das schon alles so, wie es ist, oder ist es nur ein schlimmer Traum? Da erwischt es mich immer wieder, dass ich mir denke, Hilfe Gott! Aber im Alltag sind die Dinge einfach zu meistern. Kopf in den Sand stecken geht nicht.

 

Zurzeit ist es als Gastwirt nicht immer leicht das Richtige zu tun. Man hat wenige Stunden offen, der Gästefluss ist also auf wenige Stunden konzentriert. Mir kommt vor, dass es an der Zeit wäre, dass endlich jeder die Verantwortung für sich und anderen gegenüber übernimmt. Jeder weiß in der Zwischenzeit, dass es Corona gibt und wie man sich verhalten soll. Viele sehen nur mehr sich und die anderen nicht mehr. Die Branchen geben sich gegenseitig die Schuld und verlangen von den anderen zu Hause zu bleiben, das führt zu nichts. Ich glaube nicht, dass es so viele sind, die sich falsch verhalten, aber dennoch tragen sie dazu bei, dass die anderen mit drinhängen. Aber böse bin ich niemandem, es ist einfach eine schwierige Zeit.

 

Trotz aller Schwierigkeiten gibt es Erfahrungen, die ich nicht missen möchte. Vor allem Weihnachten und Sylvester, das wir, seit ich denken kann, noch nie alleine in der Familie gefeiert haben. Ich habe mich gefreut, das einmal so zu erleben, gleichzeitig habe ich auch gesehen, dass ich das in der Vergangenheit überbewertet habe. Mehr als essen, trinken und zusammensitzen kann man ja auch nicht. Gemerkt zu haben, dass ich nicht so viel versäumt habe, wie ich mir dachte, darum bin ich froh. Mir ist auch bewusst geworden, dass es viel wert ist, etwas zu tun, was man wirklich gerne tut. Gleichzeitig ist es auch eine Chance, die wir bekommen haben, anzuhalten und neu zu starten. Ich glaube, wir können einiges mitnehmen und beibehalten, die Überbewertung des Materiellen, die Hektik, da sollten wir uns auf Besseres besinnen.

 

Ich bin überzeugt davon, dass es einen gesellschaftlichen Wandel geben wird. Nicht von heute auf morgen, aber Schritt für Schritt, nicht nur was den Klimaschutz betrifft. Da hat es bei vielen Klick getan. Dennoch sehe ich auch, dass wir ichbezogener geworden sind, am Anfang dachte man, dass das nicht so sein wird. Aufgefallen ist mir das zum Beispiel bei einer Sache: Wir haben – wollten wir schon lange und hatten ja jetzt viel Zeit – ein Logo entwickelt, um Gerichte zu kennzeichnen, in denen die Zutaten lokal sind. Interessant war, dass das kaum jemanden interessiert hat, auch nicht aufgefallen ist. Mir schien, es ging vor allem darum, zu nehmen, was geht, weil man ja nicht weiß, wann es ein nächstes Mal gibt. Ich bemerke eine Zunahme der Oberflächlichkeit. Woher die Zutaten kommen, wie sie produziert wurden, scheint derzeit kaum eine Rolle zu spielen, was vorher überhaupt nicht der Fall war, das war unseren Gästen sehr wichtig. Jeder hat wohl auf Vieles verzichtet und will jetzt einfach haben, ohne lange zu hinterfragen. Aber vielleicht muss sich das erst wieder einspielen.

 

Wir bereiten derzeit alles für die neue Saison vor, kochen zu Mittag für unsere Kunden mit Werkverträgen, haben also doch einiges zu tun. Aber das Finanzielle wird immer drängender, auch weil die Kredite nur aufgeschoben sind, die Fixspesen gehen weiter, das summiert sich. Ich frage mich immer wieder, ob es wirklich wieder so richtig laufen wird? Wenn man immer nur stückchenweise arbeitet, verliert man fast die Vorstellung davon. Wird das überhaupt noch klappen? Bisher war der Weg, wohin es für uns geht, sehr klar, das ist nun alles verschwommen. Ich habe vor Kurzem gelesen, dass man in dieser Zeit die Sachen nicht neu erfinden sollte. Es brauche einen langen Atem und ein Dabeibleiben, bei dem, was wichtig ist. Das hat mich gestärkt in unserem Tun. Für uns geht es vor allem darum, das weiterzuführen, was uns wichtig ist, also auf Qualität, Bodenständigkeit, natürlich Gewachsenes und lokale Kreisläufe zu setzen. Das war unser Weg und soll es auch bleiben.

 

Aufgezeichnet im Febrauar 2021 von Susanne Barta

 

 

„Ein Ausblick zum Träumen“

von berit_winter, TripAdvisor

Hotel & Gasthof zum Hirschen

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